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Verbrauchertipps Elektronikprodukte

Rohstoffgewinnung und Produktion

In deinem Laptop, Handy, MP3-Player oder deiner Spielkonsole befinden sich Edelmetalle wie Kobalt, Zinn und Platin. Die Nachfrage an diesen Metallen für unsere IT-Produkte steigt weltweit.  Nach wie vor werden die Rohstoffe aber unter menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen und hohen Umweltauswirkungen, meist in Entwicklungsländern, gewonnen. In Südafrika werden zur Errichtung von Platinminen, das zur Produktion von Computerfestplatten und LCD Bildschirmen benötigt wird, beispielsweise ganze Dörfer vertrieben. Die Arbeiter im Bergbau sind hohen Risiken ausgesetzt und erhalten nur sehr geringe Löhne. Auch Kinderarbeit ist keine Seltenheit.

Auch die Bedingungen der Arbeiter in den Manufakturen des asiatischen Raums sind miserabel. In China, wo ein Großteil der Elektronikprodukte produziert wird, wurden erst 2008 Mindestlöhne (120€ pro Monat) eingeführt, die aber bei weitem nicht zur Deckung der Lebenserhaltungskosten einer durchschnittlichen Familie (min. 320€) reichen. Arbeitszeiten von 12 bis 13 Stunden am Tag, 6 bis 7 Tage die Woche sind Standard und für Folgen der Überlastung (Fehler, Einschlafen am Arbeitsplatz) wird der Lohn gekürzt. Weiters sind die Arbeiter gesundheitlichen Risiken ausgesetzt. Arbeiter einer chinesischen Fabrik, die Leiterplatten für Nokia, Motorola, Samsung und LG herstellt, gaben beispielsweise an, ohne Schutz mit giftigen Chemikalien hantieren zu müssen. Das europäisches Projekt makeITfair versucht junge Leute aus Europa über die miserablen Arbeitsbedingungen und die massiven Umweltprobleme informieren, die weltweit mit der Herstellung unserer Elektronikgeräte verbunden sind.

Konsum

Nachhaltige Elektronikprodukte sind nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen und die notwendigen Informationen zur Beurteilung der Umweltleistung eines Produktes sind meist nicht direkt am Produkt angebracht oder werden nicht verbraucherfreundlich kommuniziert. Materialkennzeichnungen und Energie- und Umweltzeichen können dir hier Hilfestellung bieten.

Einige Unternehmen bieten durch neue Technologien und Werkstoffe innovative, umweltfreundliche Elektronikgeräte an. Neu auf dem Markt ist beispielsweise der Green PC von Fujitsu-Siemens bei dessen Herstellung strenge Auflagen für gefährliche Stoffe erfüllt werden und der in der Nutzung energiesparend ist. Auch auf dem Fernsehgerätemarkt gibt es ökologisch orientierte Produkte. Ein Beispiel hierfür sind die neuen LCD-Fernsehgeräte von Sharp, die als erste Fernsehgeräte mit  dem EU-Umweltzeichen ausgezeichnet wurden. Dieses garantiert die Erfüllung festgelegter Umweltkriterien wie besonders geringer Energieverbrauch im Standby und im Betrieb und recyclingfreundliches Design.

Wie vor jeder Konsumentscheidung, gilt es zu überdenken, ob die Anschaffung eines neuen Gerätes wirklich nötig ist. Computer lassen sich beispielsweise Nachrüsten, dies ist vor allem sinnvoll, wenn nur die Erneuerung eines Teils nötig ist. Braucht man wirklich alle paar Monate das neueste Handy oder leistet das Alte noch gute Dienste? 

Nutzung

Elektronikgeräte sind nutzungs- und entsorgungsintensive Produkte, das heißt in den  Phasen „Nutzung“ und „Nach Gebrauch“ treten die größten Umweltauswirkungen auf.
Für die Umweltauswirkungen in der Nutzung ist vor allem der Energieverbrauch deines Elektronikgerätes entscheidend. Wer hier auf stromsparende Technik setzt und diese intelligent nutzt, kann seinen Stromverbrauch um bis zu einem Viertel senken. Um die Entscheidung für  energieeffiziente Haushaltsgeräte zu erleichtern, gibt es das EU-Energielabel bzw. das GEEA Energielabel für energieeffiziente Informations- und Unterhaltungselektronik. Die Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena) veröffentlicht seit November 2008 regelmäßig Topgeräte-Listen mit aktuellen Marktübersichten zu energieeffizienten Produkten. Hilfreich sind auch die Produktempfehlungen auf EcoTopTen und dem Informationsdienst für umweltfreundliche Beschaffung.

Dein altes noch funktionsfähiges Elektrogerät gegen ein neues energiesparenderes Model einzutauschen, ist aber nicht unbedingt der richtige Ansatz. Denn neben dem Energieverbrauch eines Gerätes im Gebrauch wird auch zur Herstellung, Transport, Lagerung, Verkauf und Entsorgung eines Produktes Energie benötigt, man spricht hier vom kumulierten Energieaufwand, oder sogenannter „grauer Energie“. Das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie hat vorgerechnet, dass bei der Herstellung eines einzigen PCs 3000 Kilowattstunden Energie verbraucht werden. Das entspricht ungefähr dem jährlichen Stromverbrauch einer Kleinfamilie.  Und der Verbrauch an Naturgütern und Rohstoffen während der Produktion entspricht etwa 1,5 Tonnen.  

Unterschätzt wird oft der Stromverbrauch im Stand-by, ein Videorekorder verbraucht beispielsweise auf 12 Jahre allein im Stand-by soviel Strom wie das Gerät gekostet hat. Du solltest daher den Stand-by Betrieb vermeiden und falls nötig den Stecker ziehen. Schalte deine Elektronikgeräte (z.B. PC) immer aus, wenn du sie nicht mehr benutzt, das spart Energie und Geld. Mit einem Stand-by Check kannst du berechnen, wie viel der Stand-by eines bestimmten Geräts kostet. Der EnergieSpar Check von Wien Energie zeigt die heimlichen Stromfresser im Haushalt auf und gibt wichtige Tipps & Tricks. Oder du prüfst einfach selbst bei dir zu Hause nach! Wie viel deine Geräte genau verbrauchen, kannst du mit einem Stromverbrauchs-Messgerät bestimmen. Einige Verbraucherzentralen und Energieversorgungsunternehmen, wie das Wien Energie-Haus, verleihen solche Messgeräte kostenlos. Viele HiFi-Kompaktanlagen, CD- oder DVD-Player ziehen auch nach dem Abschalten noch Strom. Auch das Netzteil deines Handy-Ladegerätes verbraucht Strom im Leerlauf wenn es ungenutzt in der Steckdose verbleibt. Mit einer schaltbaren Steckdosenleiste kannst du durch einen Knopfdruck alle Geräte komplett vom Netz trennen.

Nach Gebrauch

Elektro- und Elektronikaltgeräte sind einer der am schnellsten wachsenden Abfallströme in der Europäischen Union und wachsen dreimal schneller als die üblichen kommunalen Abfälle. Weiters finden sich in Computern, Laptops, Stereo-Anlagen und Handys sowohl wertvolle Rohstoffe, wie Edelmetalle und hochwertige Kunststoffe, als auch umwelt- und gesundheitsgefährdende Stoffe wie organische Schadstoffe oder Schwermetalle. Nach der EU-Recyclingquote müssen Computer und andere IT-Geräte daher zu 65 Prozent stofflich wiederverwertet werden. Die Rückgewinnung von Kupfer und anderen Metallen im Elektroschrott ist relativ leicht möglich, die saubere Trennung von Kunststoffen und Entfernung aller Anhaftungen kann sich hingegen als problematisch erweisen. Als Beispiel führt die Deutsche Umwelthilfe die  besonderen Anforderungen an die Entsorgung eines Notebooks an: die quecksilberhaltige Beleuchtung des Displays, der Akku und diverse kleine Batterien, sowie die Leiterplatten müssen während der Behandlung abgetrennt werden. Die strengen Bestimmungen für Elektronikschrott in einheimischen Deponien und Müllverbrennungsanlagen können dazu führen, dass sich die Demontage-Industrie in weniger entwickelte Länder verlagert, bzw. dort illegal giftiger Elektronikschrott abgelagert wird. So landen beispielsweise 50-80% des Elektronikschrotts aus den USA auf riesigen offenen Deponien in Indien, Pakistan und China. \footnote{Worldwatch Institute (Hrsg.): Zur Lage der Welt 2004. Die Welt des Konsums. Verlag Westfälisches Dampfboot (Münster).}

Deine alten Elektroprodukte gehören auf keinen Fall in den Hausmüll, denn die Schadstoffe würden die Deponie belasten oder gefährliche Rückstände in der Müllverbrennung produzieren. Des Weiteren  würden wertvolle Rohstoffe wie Gold oder Platinum dem Recyclingkreislauf verloren gehen. Seit der neuen Elektro- und Elektronikaltgeräte-Verordnung (2005) können ausgediente E-Geräte kostenfrei bei Gemeinde-Sammelstellen und unter bestimmten Voraussetzungen auch beim Händler abgegeben werden. Noch funktionierende Elektrogeräte kannst du Weiterverkaufen oder einer gemeinnützigen Organisation spenden. Es gibt auch Betriebe, die Dein altes Geräte wieder auf trab bringen oder bestimmte Teile wieder- bzw. weiterverwenden (Bsp. Reparatur- und Service-Zentrum R.U.S.Z.).