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Verbrauchertipps Bekleidung

Mit deiner Kaufentscheidung trägst du entscheidend zu den Umweltauswirkungen eines Produktes bei. Du bestimmst, ob du z.B. ein herkömmliches Baumwoll-T-Shirt, dass unter fragwürdigen Arbeits- und Umweltbedingungen hergestellt wurde, oder ein zertifiziert ökologisches Produkt auf deiner Haut tragen willst!

Vor dem Kauf solltest du dir daher folgende Fragen stellen \footnote{ F. Grimm (2006): Shopping hilft die Welt verbessern. Der andere Einkaufsführer, Wilhelm Goldmann Verlag, München, 2006}:

1.    Aus welchem Material ist das Produkt, wie werden die Rohstoffe angebaut und verarbeitet?

2.    Wo wurde das Kleidungsstück produziert?

3.    Unter welchen Arbeitsbedingungen wird produziert?

4.    Inwieweit fließen ökologische Kriterien in die Endfertigung und den Vertrieb der Waren ein?

5.    Zeigen die Hersteller und Vertreiber soziales, ethisches oder ökologisches Engagement?

Grundsätzlich solltest du dir auch überlegen, welcher Impuls eigentlich hinter dem Kauf eines neuen Kleidungsstück steht. Kaufst du dir Textilien um einem neuen Modetrend nachzujagen, weil du dich durch den „Konsumrausch“ kurze Zeit besser fühlst, oder besteht wirklich ein Bedarf? Wenn dein Kleiderschrank neue Farbe braucht, müssen Textilien nicht immer neu aus dem Kaufhaus sein. In Second Hand Shops und auf Flohmärkten kannst du manches Prachtstück ergattern. Oft beinhaltet das Sortiment auch kaum getragene Markenprodukte. Oder du veranstaltest einen lustigen Tauschabend mit Freunden und kannst so deinen Kleiderschrank mit „neuen“ Stücken aufpeppen.

Konsum

Viele denken beim Wort Öko-Mode vielleicht an Jutesäcke und „Jesusbatschal“, mittlerweile sind ökologische Textilien aber durchaus trendig und chic. Immer mehr konventionelle Kaufhäuser und Unternehmen versuchen sich bei der Herstellung ihrer Textilien an strengeren Umwelt- oder Sozialstandards zu orientieren. Seit Herbst 2006 hat z.B. die bekannte Marke „Levi´s“ die Öko-Jeans “Levi’s Eco” aus 100% biologischer Baumwolle im Sortiment. Das Modehaus H&M bietet seinen Kunden seit 2007 in allen Abteilungen Kleidungsstücke aus 100 Prozent ökologisch angebauter Baumwolle (mit dem Etikett „Organic Cotton“ gekennzeichnet) und  möchte das Angebot in den kommenden Jahren noch verstärken. Eine größere Auswahl an Ökotextilien findest du in Naturtextilfachgeschäften und über Onlineshops. "dieumweltberatung" hat Bezugsquellen für Öko-Textilien in ganz Österreich recherchiert und für dich in einer Infobroschüre zusammen gefasst.          
Aus Kostengründen wird der Großteil der Kleidung die du in europäischen Geschäften kaufen kannst in Billiglohnländern mit geringen Arbeits- und Umweltauflagen, wie Asien, Lateinamerika, Afrika und Osteuropa, produziert. Die internationale Clean Clothes Kampagne hat sich zum Ziel gesetzt, die Arbeitsbedingungen in der Bekleidungs- und Sportartikelindustrie zu verbessern. Mit Textilien aus fairem Handel kannst du menschenwürdige Arbeitsbedingungen und die gerechte Entlohnung der ArbeiterInnen sichern.

Wer beim Kauf von Textilien auf Öko-Labels achtet, tut nicht nur der Umwelt, sondern auch seinem eigenen Körper etwas Gutes. Mehr als 1.000 chemische Substanzen werden bei Herstellung, Verarbeitung und Veredelung von Textilien eingesetzt und nicht alle sind harmlos (Hautallergien durch Textilien). Gütesiegel geben Auskunft über umweltschonende Verarbeitung der Rohstoffe und garantieren dir, dass deine Kleidung frei von gesundheitsschädlichen und Allergien auslösenden Chemikalienrückständen ist. Das Öko-Tex Standard 100 ist das am weitesten verbreitete Siegel für schadstoffgeprüfte Textilien in Europa. Einen Überblick über die Ökotextil-Labels und deren Kriterien gibt die Broschüre „Ökotextil-Labels in Österreich“ von "die umweltberatung". 

Durch die Konsumentscheidung jedes einzelnen können Zeichen in die eine oder andere Richtung gesetzt werden. Wenn wir mehr auf biologische Naturtextilien und faire Produktionsbedingungen achten, müssen Produzenten und Handel darauf reagieren!

Achtung: Der Begriff „Ökotextilien“ wird heute sehr allgemein für Mode verwendet, die in irgendeiner Weise ökologische Kriterien erfüllt. Wenn ein Kleidungsstück aus ökologisch produzierten Rohstoffen besteht (z.B. Biobaumwolle), bedeutet dies aber nicht automatisch, dass auch die Weiterverarbeitung (Chemikalieneinsatz) miteinbezogen ist und faire Arbeitsbedingungen und soziale Standards beachtet wurden. Achte daher auf die verschiedenen Kriterien für Öko-Labels!Weiters sind Werbeaufdrucke wie „100% Naturfaser” oder „umweltfreundlich“ keine Garantie für zertifizierte Öko-Textilien.

 

Nutzung

Die Umweltauswirkungen deiner Kleidung kannst du durch Häufigkeit und Art der Nutzung maßgeblich beeinflussen. Sei dir stets bewusst, dass Waschen, Trocknen und Bügeln mit Emissionen und Ressourcenverbrauch (Wasser, Energie) verbunden sind. Innerhalb des Produkt-Lebenszyklus eines Baumwoll- T-Shirts benötigt die Nutzung dieses Kleidungsstückes durch Waschen und Trocknen die meiste Energie.
Eine herkömmliche Waschmaschine verbraucht im 40 Grad Waschgang doppelt soviel Strom wie bei 30 Grad (ca 0,4 bzw. 0,2 kWh), bei 60 Grad sogar 5 mal soviel! Durch einfache Maßnahmen wie die optimale Beladung der Waschmaschine und Waschgänge mit niedrigen Temperaturen, kann also eine ganze Menge Strom gespart werden. Leicht verschmutzte Wäsche wird mit moderner Waschmittel- und Waschmaschinentechnologie auch bei niedrigen Temperaturen sauber (Waschtipps). Beim Kauf von Haushaltsgeräten sollte grundsätzlich auf das Energieverbrauchsetikett, das EU-Energie-Label, geachtet werden. Die Geräte sind aufgrund ihrer technischen Daten, z.B. Strom- und Wasserverbrauch in Energieklassen von A bis G eingeteilt, wobei Geräte der Klasse A++ die sparsamsten sind.
Die Verwendung von biologisch abbaubarem Waschmittel und der Verzicht auf Weichspüler, sowie eine angemessene Dosierung des Waschmittels schont zusätzlich Umwelt und Geldbeutel. Weiters kannst du dir überlegen, ob die Wäsche wirklich energieintensiv getrocknet und gebügelt werden muss, oder ob auch Lufttrocknen ausreicht.

Nach Gebrauch

Weltweit liegt der durchschnittliche Verbrauch von Bekleidung bei fünf bis sieben Kilogramm pro Kopf und Jahr. Dabei hat jedes abgelegte Stück im Durchschnitt erst ein Drittel seiner möglichen Lebensdauer hinter sich 1. Der Großteil davon landet im Hausmüll, dabei gibt es viele Möglichkeiten, ausrangierte Kleidungsstücke weiter zu verwerten. Gut erhaltene Kleidungsstücke kannst du zum Beispiel auf Kleiderbörsen, Flohmärkten oder Secondhand-Laden tauschen oder verkaufen. Dadurch vermeidest du Müll und kannst dein Taschengeld aufbessern.

Bei Altkleidersammlungen empfiehlt es sich, sich über die Weiterverwendung der Textilien zu informieren. Manchmal sind kommerzielle Sammler in die Sortiervorgänge karitativer Einrichtungen eingebunden oder die Altkleider aus Industrieländern werden in Entwicklungsländer verfrachtet, wo sie der heimischen Textilwirtschaft schaden.

Oft können alte Textilfasern auch als Ausgangsmaterial für die Produktion neuer Produkte dienen (z.B. Hanf- oder Wollfasern als Dämmstoffe). Das einfache Wegwerfen von Alttextilien, die durch ihre chemische Verarbeitung meist nicht mehr biologisch abbaubar sind und zu Umweltproblemen führen, sollte in jedem Fall vermieden werden.

 

 

 



  • 1http://www.bund.net/nc/bundnet/service/oekotipps/detail/zurueck/kleidung/artikel/alte-kleider-neu-entdecken/