Benutzername Passwort
Registrieren | Passwort vergessen?

Leder

Produktion des Rohstoffs

Ungefähr 65 - 70 % der weltweiten Lederwaren werden aus der Haut von Rindern (meist Kälbern) hergestellt und sind daher ein Nebenprodukt der Fleischindustrie.
Neben ethischen Bedenken gegenüber Leder, bringt die industrielle Massentierhaltung auch ökologische Probleme mit sich. Die intensive Landwirtschaft fördert die Bodenerosion und belastet das Grundwasser durch Pestizide und Düngemittel, Jauche und Mist. Weiters produzieren Rinder bei der Verdauung klimaschädliches Methan, welches ein 23fach höheres Treibhauspotential als CO2 besitzt. Auch durch die weiten Transportwege der Futtermittel, z. B. aus Argentinien oder den USA, kommt es zu klimaschädlichen Emissionen. Bei der Produktion von Futtermitteln müssen energieintensive Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden und oft kommt es in den Anbauländern zu Flächennutzungskonflikten und Gewässerverunreinigungen. Ein weiteres Problem ist der Anbau von gentechnisch verändertem Saatgut, das als Futtermittel dienende Soja aus den USA ist bis zu 90% genetisch verändert.

Verarbeitung

Auch die Weiterverarbeitung und Veredelung (Gerben und Färben), ist mit erheblichen Umweltauswirkungen verbunden. Um aus der Haut der Tiere Leder herzustellen, werden einige sehr giftige Chemikalien (z.B. AZO-Farbstoffe, Pentachlorphenol PCP, Chrom VI) verwendet und energieintensive mechanische Bearbeitungsschritte (Trocknung) vorgenommen. Das Gerben kann zwar mit unterschiedlichen Gerbstoffen durchgeführt werden, etwa 90 % der Leder werden jedoch mit Chromsalzen gegerbt. Forscher der Uni Paderborn (Deutschland) wiesen das extrem gefährliche, krebserzeugende Chrom VI in der Handelsware Leder nach, und zwar nicht nur im Möbelleder, sondern auch in Bekleidungstextilien1.
Bei der Produktion von Lederwaren entstehen Geruchsemissionen, Gesamtfeststoffteilchen und umweltrelevante Emissionen. Die Umweltbelastung kann zur Beeinträchtigung der regionalen landwirtschaftlichen Nutzung und zur Wertminderung des Landes z.B. für Tourismus und Wohngebiete führen und hat über kurz oder lang gravierende Auswirkungen auf Lebensqualität und –erwartung.

Nutzung

Leder zeichnet sich in der Nutzungsphase durch einen niedrigen Energiebedarf aus, da kein Waschen, Bügeln und Trocknen notwendig ist. Falls es doch zu gröberen Verschmutzungen kommt, müssen jedoch chemische Reinigungs- und Pflegemittel eingesetzt werden.

Nach Gebrauch

Eine nachhaltige Verlängerung der Produktnutzungsdauer, also die Wiederverwendung von Altlederkleidung via Second-Hand-Läden oder Flohmärkte ist anzustreben. Die Versorgung von Entwicklungsländern mit Altkleidern verkleinert zwar die Müllberge in den Industrieländern führt aber oft zur Zerschlagung der Märkte vor Ort.
Eine weitere Möglichkeit stellt die Weiterverwertung zu neuen Produkten wie z.B. Handtaschen dar. Dadurch können neue Wirtschaftszweige genutzt und Arbeitsplätze in der Region geschaffen werden.
Weggeworfene und nicht recycelbare Textilien verursachen Umweltbelastungen, denn viele „Naturtextilien“ sind Aufgrund ihrer Verarbeitung (eingesetzten Chemikalien) nicht mehr biologisch abbaubar. Über die Hälfte der Alttextilien landet in der Müllverbrennungsanlage oder auf der Deponie.

Quellen:
Falls nicht anders angegeben, stammen die Inhalte aus dem Endbericht des Fabrik der Zukunft Projektes "ECODESIGN Lernspiel - Konzeption eines ECODESIGN Lernspiels für Schulen und Jugendorganisationen", Projektnr. 813029, Institut für Konstruktionswissenschaften, Forschungsbereich Ecodesign, TU Wien, 2008

 

 



  • 1http://www.eco-world.de//scripts/basics/eco-world/service/main/basics.prg?a_no=44