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Hanf

Produktion des Rohstoffs

Hanf wird in Europa und weltweit vor allem zur Gewinnung von Fasern angebaut. Der Einsatz von Herbiziden ist, im Gegensatz zur Baumwollproduktion, nicht nötig, da die Hanfpflanze durch ihr schnelles und dichtes Wachstum Unkraut unterdrückt und weitgehend schädlingsresistent ist. Aus ökologischer Sicht eignet sich Hanf gut als Zwischenfrucht, da er auf ausgelaugten, verhärteten Böden gepflanzt werden kann. Er lockert den Boden und bereitet ihn für einen eventuellen späteren Anbau anspruchsvollerer Pflanzen, wie etwa Getreide, vor. Die durch den (Zwischen-)Anbau von Hanf erhöhte Bodenfruchtbarkeit steigert die folgenden Pflanzenerträge und durch den Verzicht auf Pflanzenschutzmittel entstehen keine gesundheitlichen Belastungen für Arbeiter und Bauern. Hanf ist eine sehr robuste Pflanze, die in fast allen Klimazonen (auch in kühleren Regionen) angebaut werden kann. Ein Feld Hanf erbringt beispielsweise dreimal soviel Fasern wie ein Baumwollfeld in gleicher Größe. Da keine künstliche Bewässerung nötig ist, verbraucht Hanf im Vergleich zu anderen Pflanzen (z.B. Baumwolle) für die Textilindustrie weniger Wasser.

Verarbeitung

Um die wertvollen Fasern zu gewinnen, müssen die abgemähten Hanfpflanzen einem besonderen Verfahren, der sogenannten Röstung, unterzogen werden. In den meisten Ländern geschieht diese Röstung noch in Handarbeit in speziellen Wasserbecken. Die ablaufenden, für die Weiterverarbeitung der Hanffaser wichtigen mikrobiologischen Prozesse, führen ohne Nachbehandlung zu einer erheblichen Belastung der Gewässer. Die umweltschonendere Methode ist die Feld- oder Standröste, bei dem die geschnittenen Fasern auf dem Feld belassen werden. Dieses Verfahren ist aber risikoreicher, da Luftfeuchtigkeit und Temperatur konstant sein müssen um Ernteverluste zu verhindern. In der Textilindustrie kommen vor allem die für die Verspinnung (Kotonisierung) geeigneten Längsfasern zum Einsatz. Diese werden weiters mittels Dampfdruckverfahren und chemischer Trennung oder rein mechanisch aufgeschlossen. Je nach Produktionsverfahren führt der Einsatz von Chemikalien, aufwändigen Verarbeitungsprozessen und weltweitem Transport zu Luft- und Wasserverschmutzung und in Folge zur Zerstörung des ökologischen Gleichgewichtes. Spinnen und Färben sind die energieintensivsten Produktionsschritte bei der Textilherstellung, die grundsätzlich mit Primärenergie (meist aus begrenzten fossilen Ressourcen) erfolgt.

Nutzung

Wie bei allen Textilien hängen die Umweltauswirkungen in der Nutzung hauptsächlich vom eigenen Verhalten ab. Bei Vorgängen wie Waschen, Trocknen und Bügeln sollte man sich daher stets des damit verbundenen Energieverbrauchs bewusst sein. Hanf kann durch seine Hohlfaser viel Körperflüssigkeit aufnehmen und nach außen abgeben (feuchtigkeitsregulierend), ohne selbst schlecht zu riechen. Kleidung aus Hanffasern ist reißfester und haltbarer und bei chemikalienfreiem Produktionsverfahren für Allergiker eine Alternative zu herkömmlich produzierter Baum- und Schafwolle.

Nach Gebrauch

Hanf ist zu 100 % biologisch abbaubar und kann problemlos kompostiert werden. Alle in der Verarbeitung anfallenden „Abfallteile" lassen sich weiter verwenden, z.B. zu Span- oder Wärmedämmplatten verarbeiten. Die ausgedienten Textilfasern können als Ausgangsmaterial für Banknoten und feine Papiere zum Einsatz kommen.
Derzeit ist Hanf noch ein Nischenprodukt und die Nachfrage größer als das Angebot. Eine Steigerung der Produktion und Verbesserung des ambivalenten Hanf-Images durch Marketingstrategien und Bewusstseinsbildung wäre wünschenswert.

Quellen:
Falls nicht anders angegeben, stammen die Inhalte aus dem Endbericht des Fabrik der Zukunft Projektes "ECODESIGN Lernspiel - Konzeption eines ECODESIGN Lernspiels für Schulen und Jugendorganisationen", Projektnr. 813029, Institut für Konstruktionswissenschaften, Forschungsbereich Ecodesign, TU Wien, 2008